Existenzgründung durch die "Generation 50+"


Ältere Gründerinnen und Gründer

Die geburtenstarken Jahrgänge kommen "in die Fünfziger". Gleichzeitig geht die Zahl der Geburten zurück. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass immer mehr Gründerinnen und Gründer zur Gruppe "50 plus" gehören werden.


Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi) hat für ältere Gründerinnen und Gründer, die sich selbstständig machen möchten, einige informative Tipps veröffentlicht.



1.) Gründungsvorteil: Berufs- und Lebenserfahrung
Ältere Gründerinnen und Gründer verfügen über ein enormes Plus gegenüber Jüngeren: Ihre Lebenserfahrung, die sich erwiesenermaßen in einer sehr zielgerichteten Vorgehensweise in den verschiedenen Gründungsphasen niederschlägt. Typisch sind auch Planungs- und Führungserfahrung durch Berufstätigkeit und, insbesondere bei Frauen, durch die Familienarbeit.

Hinzu kommen ein gefestigtes Selbstvertrauen, eine realistische Risikoeinschätzung und Erfahrungen damit, Verantwortung zu tragen. Einen weiteren Vorteil bieten langjährige Berufserfahrungen, Erfahrungen in der Arbeitsorganisation, Kommunikations- und Teamfähigkeit sowie vielfältige Kontakte zu potentiellen Kunden. Und schließlich fällt auch (manchmal) die Startfinanzierung leichter, wenn man auf angespartes Eigenkapital zurückgreifen kann.



2.) 50 plus: Tipps für Gründerinnen und Gründer
Grundsätzlich stehen natürlich auch älteren Gründerinnen und Gründern die gängigen Förderdarlehen zu Verfügung. Dabei sollten Sie aber folgende Besonderheiten kennen:

 

  1. Unternehmerkapital: ERP-Kapital für Gründung (0-2 Jahre)
    Üblicherweise bietet dieses Förderprogramm eine tilgungsfreie Zeit von sieben Jahren an. Für Gründerinnen und Gründer über 55 Jahre reduziert sich diese tilgungsfreie Zeit um die Anzahl der Lebensjahre über 55. Das Darlehen muss bis zum 62. Geburtstag abgerufen und bis zum 70. Lebensjahr zurückbezahlt sein. Eine Förderung für Personen über 62 Jahren ist somit nicht möglich.

  2. Unternehmerkapital: ERP-Kapital für Wachstum (2-5 Jahre)
    Bei der Entscheidung über eine Darlehensvergabe fließ hier auch das Lebensalter in die Risikobewertung mit ein. Das bedeutet: Je älter der Antragsteller ist, desto höher wird das Darlehensrisiko eingeschätzt und desto schwieriger ist eine Darlehensbewilligung.

  3. Das Bankgespräch
    Gründerinnen und Gründer ab dem 50. Lebensjahr haben erfahrungsgemäß häufiger Schwierigkeiten, Bankkredite oder Förderdarlehen zu erhalten. Die Finanzinstitute unterstellen bei der Darlehensvergabe an Ältere höhere Risiken. Sie verbinden ein höheres Lebensalter mit der Sorge, dass im Fall längerer Krankheit die fristgerechte Bedienung der Kredite nicht mehr gewährleistet ist. Dazu kommt: Ältere haben weniger Zeit für einen Unternehmensaufbau sowie die Kreditrückzahlung. Wichtig ist hier ein Erfolg versprechendes Unternehmenskonzept mit einem schlüssigen Rückzahlungsplan.

  4. Förderung bei fehlendem Eigenkapital
    Vor allem langzeitarbeitlose ältere Gründerinnen und Gründer haben ein evtl. angespartes Sparguthaben aufgebraucht. Daher fehlt ihnen dann häufig das nötige Eigenkapital für den Start in die Selbstständigkeit. Ohne Sicherheiten und gerade bei kleineren Summen haben sie auch nur geringe Chancen, einen Kredit von einer Bank zu bekommen. Für sie kommen die Förderdarlehen in Frage, die auch bei geringem oder keinem Eigenkapital gewährt werden können: KfW.Startgeld der KfW-Mittelstandsbank sowie der Mikrokreditfonds Deutschland. Hinweis: In unserer Fördermittel-Datenbank können Sie nähere Informationen über diese beiden Fördermittel erhalten.



3.) Kaufmännische Know-how
Es gibt eine beachtliche Gruppe sowohl von arbeitslosen Akademikerinnen und Akademikern als auch Personen mit einer guten Facharbeiterausbildung, die sich selbstständig machen wollen. Diese Gründerinnen und Gründer haben meist auch langjährige Berufs- und Branchenerfahrungen. Sie haben in der Regel keine Probleme, tragfähige und interessante Unternehmenskonzepte zu entwickeln. Teilweise fehlen ihnen aber das erforderliche kaufmännische Know-how sowie notwendige betriebswirtschaftliche Kenntnisse (z.B. zu Kundenakquise, Verkauf, Vertrieb, usw.).

Einige Initiativen, die ältere Gründerinnen und Gründer begleiten, haben bei diesen im Vergleich zu Jüngeren eine geringere Flexibilität und auch Know-how Defizite beobachtet. Außerdem stellen sie fest, dass gerade Ältere Schwierigkeiten haben, die neuen "Multifunktionen" eines Unternehmens wahrzunehmen und sich mit ihren beruflichen Aktivitäten, die sie oftmals jahrelang als Angestellte praktiziert haben, an Marktbedingungen anzupassen. Sie sollten vor allem die Weiterbildungsangebote von Kammern, Branchenverbänden sowie anderen seriösen Weiterbildungsinstitutionen nutzen.



4.) Marktnischen nutzen
Für einen Teil der Gründerinnen und Gründer erweisen sich die, im Verlauf von vielen Berufsjahren, erworbenen Kenntnisse für den Schritt in die Selbstständigkeit leider als (fast) nutzlos. Handelst es sich um konjunkturschwache Branchen, deren schlechte wirtschaftliche Entwicklung dazu geführt haben, dass sie nun arbeitslos sind, sind Neugründungen wenig chancenreich. Diese Gründerinnen und Gründer sollten versuchen, interessante Marktnischen zu entdecken und zu besetzen. Sie sollten außerdem darüber nachdenken, mit einem oder zwei Partnern zu gründen, um so viel wie möglich Know-how im Unternehmen zu sammeln.


5.) Wiedereinsteigerinnen: Angebote für Gründerinnen
Viele Frauen, die nach einer Familienpause wieder ins Arbeitsleben zurückkehren, müssen ihr fachbezogenes Wissen aktualisieren. Teilweise haben sie auch Probleme, das Startkapital für eine Gründung zu beschaffen. Gründerinnen mit geringem Finanzierungsbedarf und wenigen Sicherheiten haben häufig Probleme, einen Kredit von der Bank zu bekommen. Sie sollten die besonderen Möglichkeiten des Erfahrungsaustauschs sowie der Aus- und Weiterbildung nutzen, die vor allem Gründerinnen- bzw. Unternehmerinnen-Netzwerke anbieten. Mögliche Förderdarlehen auch bei geringem oder auch ohne Eigenkapital: KfW-Startgeld der KfW-Mittelstandsbank sowie der Mikrokreditfonds Deutschland.
Hinweis: In unserer Fördermittel-Datenbank können Sie nähere Informationen über diese beiden Fördermittel erhalten.


6.) Fitness
Es kommt vor, dass ältere Gründerinnen und Gründer das eigene Kräftepotential überschätzen und gleichzeitig die Anforderungen durch die berufliche Selbstständigkeit unterschätzen. Sie sollten die Möglichkeit nutzen, sich von einem Unternehmens- oder Gründerberater coachen und unterstützen zu lassen. Beratung und Coaching können in sehr vielen Fällen finanziell gefördert werden. Und: Wer im Team gründet, kann Belastungen und Aufgaben verteilen.
Hinweis: In unserer Fördermittel-Datenbank können Sie nähere Informationen über passende Fördergelder erhalten. Sollten Sie u.a. zu dem Thema Unternehmercoaching Fragen haben, nehmen Sie einfach Kontakt mit uns auf. Wir beraten und informieren Sie dann kostenlos.



7.) Gründung nach langer Angestelltentätigkeit
Problematisch für viele ältere Gründerinnen und Gründer ist die Vereinzelung bei und nach der Gründung. Nach vielleicht mehr als 30 Jahren Berufserfahrung als Angestellte/r ist es nicht leicht, ohne Kontakt zu Kollegen und die Arbeitsmöglichkeiten in einem Unternehmen (z.B. selbstverständliche Arbeitsorganisation, Büroorganisation, zentraler Einkauf, usw.) auszukommen. Eine Lösung für dieses Problem könnte sein, Netzwerke zu nutzen oder mit einem oder zwei Partnern zu gründen.



Bitte benutzen Sie auch unsere bereitgestellte Fördermittel-Datenbank. Hiermit verschaffen Sie sich stets einen aktuellen Überblick über die angebotenen Fördermittelprogramme vom Bund, den Ländern und der EU.

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Gründeragentur-Köln, Volker Ahlgrimm
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